Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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HANS WUNDERLICH (SPD)
im Parlamentarischen Rat
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Hans Wunderlich
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Im Sommer 1948 wird Hans Wunderlich vom Niedersächsischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gewählt, ohne selber dem Landesparlament anzugehören. Er ist Mitglied des Ausschusses für Grundsatzfragen. Sein Hauptaugenmerk gilt der Ausgestaltung der Regelungen zur Länderneugliederung. Angesichts der nach wie vor vorhandenen Selbständigkeitsbestrebungen in den 1946 in das Land Niedersachsen aufgegangenen Ländern Oldenburg und Braunschweig tritt er dafür ein, die plebiszitären Möglichkeiten zur Revision dieser Entwicklung möglichst zu begrenzen (betr. Art. 29 GG). Ein weiteres Anliegen ist es ihm, zugunsten der von den Besatzungsmächten geförderten „Lizenzpresse“ bei der grundrechtlichen Gestaltung der Presse- und der Gewerbefreiheit einen Sonderstatus festzuschreiben. Hierbei bleibt er allerdings erfolglos. Im Übrigen vertritt Wunderlich mit seinem Eintreten für ein Recht auf Kriegsdienstverweigerung und mit seiner Ablehnung der verfassungsmäßigen Konservierung traditioneller Beamtenrechte klassische sozialdemokratische Vorstellungen.

Geboren am 18. Juli 1899 in München, gestorben am 26. Dezember 1977 in Osnabrück, römisch-katholisch.

Hans Wunderlich ist nach dem Besuch der Oberrealschule in München als Kriegsfreiwilliger von 1917 – 1918 an der Westfront. 1920 Redaktionsvolontär beim „Einbecker Tageblatt“, zugleich Beitritt zur SPD. Ab 1921 Redakteur bei der „Einbecker Volksstimme“, 1924 – 1928 bei der „Freien Presse“ in Osnabrück (beides SPD-Presseorgane), bis 1933 freiberuflich. In der Endphase der Weimarer Republik als Kreisleiter aktiv beim Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ Tätigkeit in einem Gartenbaubetrieb, ab 1934 Betreiber eines kleinen Obstanbauunternehmens in Lienen im Teutoburger Wald. 1940 zunächst für neun Monate zum Militär eingezogen, danach als Hilfskraft bei der örtlichen Gemeindeverwaltung dienstverpflichtet. Im Sommer 1944 nach dem Attentat auf Adolf Hitler vorübergehend verhaftet.

Nach Kriegsende Fortführung der journalistischen Tätigkeit. 1947 – 1950 Mitherausgeber der sozialdemokratischen „Nordwestdeutschen Rundschau“ in Wilhelmshaven und politischer Redakteur. 1947 – 1950 SPD-Vorsitzender des Unterbezirks Osnabrück und Stellvertretender Vorsitzender des Bezirks Weser-Ems. 1948 – 1950 Mitglied des Osnabrücker Stadtrats. 1949 erfolglose Kandidatur für den Deutschen Bundestag. 1950 beruflicher Wechsel als Journalist zur „Westfälischen Rundschau“ in Dortmund und Rückzug aus der aktiven Parteipolitik. 1961 – 1964 Chefredakteur.

Nachlass: Nicht bekannt.