Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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FRITZ EBERHARD (SPD)
im Parlamentarischen Rat
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Fritz Eberhard
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Im Sommer 1948 wird Fritz Eberhard vom Württemberg-Badischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gewählt. Er gehört dem Ausschuss für das Besatzungsstatut an und nimmt regelmäßig an Sitzungen des Ausschusses für Grundsatzfragen und des Hauptausschusses teil. Er möchte das Grundgesetz als demokratische Rahmenordnung gestaltet sehen, die ökonomische und gesellschaftliche Veränderungen nicht behindern soll. Er tritt für präzise Festlegungen hinsichtlich der Friedenssicherung einschließlich einer möglichst völkerrechtsfreundlichen Ausgestaltung des Grundgesetzes ein. Dazu will er die Menschen- und politischen Bürgerrechte einschließlich des Rechts auf Kriegsdienstverweigerung garantiert wissen. Doch will er Regelungen zur Gesellschafts- und Wirtschaftsverfassung vermeiden. Entsprechend lehnt er, obwohl als Vertrauensmann der Gewerkschaften geltend, die von diesen ursprünglich geforderte Festlegung des Streikrechts ab. Diese könne bei den vorhandenen Mehrheitsverhältnissen nur restriktiv ausfallen. Obwohl das Grundgesetz nicht seinen weitergehenden politischen Zielvorstellungen entspricht, gibt er diesem bei der Verabschiedung am 8. Mai 1949 seine Zustimmung.

Geboren am 2. Oktober 1896 in Dresden, gestorben am 29. März 1982 in Berlin, zunächst evangelisch, 1922 Kirchenaustritt.

Ursprünglich Hellmuth Freiherr von Rauschenplat, nach 1933 Namensänderung in Fritz Eberhard. 1915 – 1918 Teilnehmer am Ersten Weltkrieg, danach Abschluss des 1914 begonnenen Studiums der Staatswissenschaften und Nationalökonomie durch Promotion (1920). 1920 – 1924 diverse berufliche Tätigkeiten. Ab 1920 Mitglied der SPD und im Internationalen Jugend-Bund, ab 1925 im Internationalen Sozialistischen Kampfbund (ISK). 1924 – 1931 Lehrkraft für Ökonomie am Landerziehungsheim Walkemühle bei Melsungen als „Kaderschmiede“ des ISK. Nach 1930 für ein Wahlbündnis von SPD und KPD gegen die NSDAP.

Seit Frühjahr 1933 Untergrundtätigkeit, dabei verschiedene Decknamen, u.a. Fritz Eberhard, den er seither beibehält. 1934 Übernahme der illegalen Reichsleitung des ISK, schließt sich ferner der gleichfalls illegalen Unabhängigen Sozialistischen Gewerkschaft (USG) an. Organisation zahlreicher Widerstandsaktivitäten. Ende 1937 Flucht über Zürich und Paris nach London. Seit Beginn des Zweiten Weltkriegs für deutschsprachige Sendungen der BBC und des Senders der Europäischen Revolution tätig. Zahlreiche weitere Aktivitäten, so im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft „German Educational Reconstruction“ und der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in Großbritannien.

Seit Frühjahr 1945 im Auftrag des amerikanischen Geheimdiensts OSS in Stuttgart tätig. 1945/46 Programmberater von Radio Stuttgart. 1946 – 1949 Mitherausgeber der Stuttgarter Rundschau. Oktober 1945 Wiedereintritt in die SPD. 1946 – 1949 Mitglied des Württemberg-Badischen Landtags. 1947 Staassekretär für die mit der Ausarbeitung eines Friedensvertrags zusammenhängenden Fragen im Württemberg-Badischen Staatsministerium. 1947 – 1949 Leiter des Deutschen Büros für Friedensfragen beim Länderrat der amerikanischen Besatzungszone in Stuttgart. 1949 – 1958 Intendant des Süddeutschen Rundfunks. 1955/56 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rundfunkanstalten (ARD). 1961 – 1968 Honorarprofessor an der Freien Universität Berlin und Leiter des Instituts für Publizistik.

Nachlass: Institut für Zeitgeschichte, München; Archiv der sozialen Demokratie, Bonn.