Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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FRIEDRICH LÖWENTHAL (SPD)
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Friedrich Löwenthal
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Friedrich (Fritz) Löwenthal gehört weder dem Landesparlament an, noch spielt er als SPD Parteipolitiker oder Gewerkschafter eine besondere Rolle. Als er vom Landtag Nordrhein-Westfalens auf Vorschlag der SPD-Fraktion in den Parlamentarischen Rat entsandt wird, hält sich Löwenthal erst wenige Monate in Nordrhein-Westfalen auf. Er ist Mitglied des zunächst kombinierten Ausschusses für Organisation des Bundes sowie Verfassungsgerichtshof und Rechtspflege und nach dessen Teilung des Ausschusses für Verfassungsgerichtshof und Rechtspflege, ferner stellvertretendes Mitglied des Hauptausschusses. Seine inhaltlichen Beiträge bleiben marginal. Stattdessen nutzt er vor allem das Forum des öffentlich tagenden Hauptausschusses, um – unabhängig vom Beratungsgegenstand – die Verhältnisse in der Sowjetunion und der sowjetischen Besatzungszone anzuprangern. Als es dem SPD-Parteivorsitzenden Kurt Schumacher in der zweiten Aprilhälfte 1949 gelingt, die Partei auf eine ablehnende Haltung gegenüber einer vorangegangenen Intervention der Westalliierten zur inhaltlichen Gestaltung des Grundgesetzes (Note vom 2. März 1949) festzulegen, greift Löwenthal diesen öffentlich an. Der Austritt aus Partei und Fraktion, um dem drohenden Ausschluss zuvorzukommen, folgt unmittelbar. Von da an sitzt er als Fraktionsloser im Parlamentarischen Rat. Bei der Schlussabstimmung zum Grundgesetz votiert er für dessen Annahme.

Geboren am 15. September 1888 in München, gestorben am 28. August 1956 in Valdorf bei Herford, israelitischen Glaubens, später Aufgabe seiner Religionszugehörigkeit.

Friedrich Löwenthal wird als Sohn des Kaufmanns Max Löwenthal und dessen ursprünglich aus Philadelphia stammenden Ehefrau Franziska, geb. Schlesinger, in München geboren. Seit 1907 Studium in Berlin und München, zunächst mit Schwerpunkt Psychologie und Musiktheorie, danach Nationalökonomie, schließlich mit Rechtswissenschaft als Kernfach. 1911 Erstes juristisches Examen, 1914 Zweite Staatsprüfung für den höheren Justiz- und Verwaltungsdienst. 1913 Promotion mit einer Arbeit zum preußischen Verfassungsstreit von 1862 – 1866. Nach kurzer Tätigkeit bei der Justiz (1915 – 1917) zum Heeresdienst eingezogen. 1918 Ratsassessor in Bamberg, 1919 Rechtsanwalt in Nürnberg, 1922 Syndikus in Stuttgart und ab 1927 Rechtsanwalt in Berlin. 1913 – 1923 Mitglied der
SPD, 1927 Eintritt in die KPD. 1929 Übernahme des Vorsitzes der stark unter kommunistischem Einfluss stehenden Internationalen Juristischen Vereinigung, Schriftleitung der von dieser herausgegebenen Zeitschrift „Revue der Internationalen Juristischen Vereinigung“. Zeitweise Mitglied des Zentralkomitees der Roten Hilfe. September 1930 – Sommer 1932 KPD-Reichstagsabgeordneter.

Anfang März 1933 Emigration zunächst nach Frankreich, danach in die Niederlande und Anfang April 1935 weiter in die Sowjetunion. Dort zunächst als Sprachlehrer an einer Pädagogischen Hochschule tätig, später als „Politikredaktor“ bei „Gawlit“, der sowjetischen Zensurbehörde, sowie als Übersetzer und Redakteur beim Fremdsprachenverlag. Im Oktober 1941 Evakuierung aus Moskau, lebt in der Folgezeit an verschiedenen Orten in der Sowjetunion. Seit 1943 betätigt sich Löwenthal als „Politinstruktor“ in einem Kriegsgefangenenlager und danach 1945 als „Politlehrer“ an einer Kriegsgefangenenschule.

Ende 1946 Übersiedlung aus der Sowjetunion in die sowjetische Besatzungszone. Löwenthal wird von Walter Ulbricht persönlich zum Leiter der Abteilung „Justizaufsicht“ bei der Zentralverwaltung für Justiz ausersehen und von der Sowjetischen Besatzungsmacht in das Amt eingesetzt. Im Mai 1947 flüchtet Löwenthal in den Westen. Wechselnde Wohnsitze in Hannover, Nürnberg und schließlich vor Beginn der Arbeiten am Grundgesetz in Dortmund. September 1947 Aufgabe der Mitgliedschaft in der SED und unmittelbar darauf Eintritt in die
SPD. Betätigt sich in der Folgezeit vornehmlich im Ruhrgebiet als Agitator und Publizist gegen den Kommunismus. Seine Ausführungen gipfeln vielfach in der These, dass Kommunismus und bolschewistisches System dem nationalsozialistischen um nichts nachstünden. Beruflich als Rechtsanwalt tätig.

Nachlass: Nicht bekannt.

23.3.1949
Stellungnahme Friedrich Löwenthal (SPD):
Zur Einladung des Deutschen Volksrats der sowjetischen Besatzungszone zu einem gesamtdeutschen Gespräch in Braunschweig
(7´37)