Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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KARL SIGMUND MAYR (CSU)
im Parlamentarischen Rat
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Karl Sigmund Mayr
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Im Sommer 1948 wird Karl Sigmund Mayr vom Bayerischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gewählt. Mayr ist Mitglied des Ausschusses für Finanzfragen und des Ausschusses für Grundsatzfragen. Er zählt zu den wenigen Repräsentanten der jüngeren Generation. Bei der Flaggenfrage teilt er die Auffassung der Mehrheit der Unionsvertreter, nach dem Vorbild der skandinavischen Staaten das Kreuzeszeichen zu übernehmen. Er ist jedoch skeptisch, ob die Verwendung der Farben Schwarz-Rot-Gold in der Bevölkerung hinreichende Integrationskraft entfaltet. Auch in der heftig diskutierten Frage der Finanzverfassung stellt er sich gegen die Mehrheit der CSU-Vertreter, indem er eine zentralistische Lösung fordert. Ebenso stellt er sich mit seiner Ablehnung des reinen Bundesratsmodells und mit seiner Forderung nach einer „straffen Bundesverwaltung“ in unübersehbaren Gegensatz zu den mehrheitlich innerhalb der CSU und der Bayerischen Staatsregierung vorhandenen Bestrebungen. Bei der Schlussabstimmung zum Grundgesetz stimmt Mayr zusammen mit Kaspar Gottfried Schlör mit Ja, während die übrigen CSU-Vertreter diesem aus föderalistischen Vorbehalten heraus ihre Zustimmung versagen.

Geboren am 3. Mai 1906 in Nürnberg, gestorben am 19. Juli 1978 in Nürnberg, evangelisch.

Karl Sigmund Mayr studiert nach dem Abitur 1926 in Nürnberg Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsrecht in Nürnberg und in Tübingen, dort im Frühjahr 1929 Diplomabschluss für Volkswirte. Seit der Schulzeit in der Christlichen Jugendbewegung aktiv. 1932 Steuerberater und Bücherrevisor in Nürnberg.

Seit 1939 Kriegsdienst bei der Infanterie, 1943 zum Oberkommando des Heers abkommandiert. 1945 US-amerikanische Gefangenschaft.

Ab 1945 Steuerberatertätigkeit in Fürth. Wirkt an der Gründung der Christlich-Sozialen Union (CSU) in Stadt- und Landkreis Fürth mit. Im Frühsommer 1946 wird Karl Sigmund Mayr in die Verfassunggebende Landesversammlung Bayerns gewählt. Von 1947 – 1952 Vorsitzender des CSU-Bezirksverbands Mittelfranken. 1946 – 1953 und 1955 – 1957 Mitglied des CSU-Landesvorstands. Mayr zählt als Vertreter des evangelischen Parteiflügels zum engeren Kreis um Josef Müller. 1950 – 1953 Stellvertretender CSU-Landesvorsitzender.

Nachlass: In privater Hand; im Archiv für Christlich-Soziale Politik, München, Kopien des politisch relevanten Teils.