Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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ANTON PFEIFFER (CSU)
im Parlamentarischen Rat
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Anton Pfeiffer
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Deutsches Rundfunkarchiv
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Im Sommer 1948 wird Anton Pfeiffer vom Bayerischen Landtag in den Parlamentarischen Rat entsandt und übernimmt hier den Vorsitz der gemeinsamen CDU/CSU-Fraktion, wenngleich Konrad Adenauer (CDU) zunächst Adolf Süsterhenn (CDU) favorisiert. Pfeiffer ist Mitglied des Ältestenrats, des Präsidiums, des Ausschusses für Grundsatzfragen und des Hauptausschusses. Obwohl er sich nicht am Fünferausschuss und am Siebenerausschuss beteiligt, ist er Teilnehmer und auch Initiator einer Vielzahl informeller Gesprächsrunden. Um jederzeit in Bonn präsent zu sein, lässt er sich als Leiter der Münchner Staatskanzlei zeitweise freistellen. In Bonn steht ihm eine eigens für die Beratungen eingerichtete Dienststelle der Bayerischen Staatskanzlei zur Verfügung. Er bewegt sich zwischen bayerischer Regierungspolitik und der Aufgabe, als Fraktionsvorsitzender integrierend im Sinne der Mehrheitsmeinung zu wirken. Sein Verhältnis zu Konrad Adenauer (CDU) ist nicht frei von Spannungen. Zu den bayerischen Interessen, die Pfeiffer im Parlamentarischen Rat vertritt, gehören vor allem die Schaffung eines mit dem Parlament gleichberechtigten Bundesrats und einer betont länderfreundlichen Finanzverfassung einschließlich einer landeseigenen Finanzverwaltung. Dabei verlangt vor allem die innerbayerische Konkurrenzsituation mit der Bayernpartei eine unbeugsame Haltung bei der Durchsetzung föderalistischer Interessen. Jedoch will Pfeiffer ein Scheitern des Grundgesetzes vermeiden. Am Ende folgt er der Kabinettsdisziplin, die eine Ablehnung desselben nahe legt. Erleichtert wird ihm diese Haltung durch das zugleich aus München signalisierte Bekenntnis zur uneingeschränkten Teilhabe Bayerns an der künftigen Bundesrepublik Deutschland.

Geboren am 7. April 1888 in Rheinzabern (Pfalz), gestorben am 20. Juli 1957 in München, römisch-katholisch.

Anton Pfeiffer wächst in der Pfalz in einer kinderreichen, bildungsbeflissenen, katholisch geprägten Lehrerfamilie auf. Eines seiner Vorbilder ist sein älterer Bruder Maximilian (geb. 1875), der für die Zentrumspartei 1907 – 1924 dem Reichstag bzw. der Weimarer Nationalversammlung angehört. 1907 Abitur, danach Studium neuerer Sprachen in München. 1910/11 Lehramtsprüfung für französische und englische Philologie. 1913 Promotion in München. Während des Studiums Mitglied der katholischen Studentenverbindung Ottonia, wie auch Josef Schwalber (CSU). Seit 1911 Oberschullehrer an diversen Schulen, u.a. an einer amerikanischer Privatschule in München, zugleich auch Privatlehrer. 1918 Beitritt zur Bayerischen Volkspartei (BVP), deren Generalsekretär er bis 1933 ist. 1928 – 1933 Mitglied des Bayerischen Landtags. 1927 Gründer des Amerikanischen Instituts in München. Heftiger Kritiker der zentralistischen Ausrichtung der neuen Reichsverfassung und der Erzbergerschen Finanzverfassungsreform. Gegner der NSDAP, wenn auch zeitweise für eine Landeskoalition mit dieser.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ Ende Juni 1933 für kurze Zeit mit weiteren BVP-Politikern verhaftet und zur Auflösung der Partei gezwungen. Seit Februar 1934 wieder im höheren Schuldienst.

Wird bei Kriegsende für die Amerikaner als Dolmetscher und „advisor“ tätig, wobei er viele alte Kontakte in die USA, die teilweise auch während des Zweiten Weltkriegs fortexistierten, wieder auffrischen kann, u.a. zu Robert D. Murphy. 1945 Mitgründer und Programmgestalter der CSU. 1945 – 1950 Leiter der Bayerischen Staatskanzlei (mit kurzer Unterbrechung) unter verschiedenen Regierungschefs (Fritz Schäffer, Wilhelm Hoegner, Hans Ehard), ab Herbst 1945 als Staatssekretär mit Kabinettsrang. 1946 Mitglied des Beratenden Landesausschusses, des Vorbereitenden Verfassungsausschusses und der Verfassunggebenden Landesversammlung. 1946 – 1950 Mitglied des Bayerischen Landtags. Übernimmt die Außenvertretung bayerischer Interessen und ist maßgeblich an allen länderübergreifenden politischen Aktivitäten und einschlägigen Verfassungsüberlegungen beteiligt (Länderrat, Deutsches Büro für Friedensfragen, Ministerpräsidentenkonferenzen). Mitorganisator und Leiter des Verfassungskonvents auf Herrenchiemsee (August 1948). 1950 – 1954 zuerst Generalkonsul, später Botschafter in Belgien.

Nachlass: Bayerisches Hauptstaatsarchiv, München.

1.9.1948
1. Sitzung – Konstituierung
Anton Pfeiffer (CSU):
Zur Vertretung Berlins, zur Konstituierung des Parlamentarischen Rats und zum Antrag Max Reimanns (KPD)
(6´02)
15.9.1948
4. Sitzung
Anton Pfeiffer (CSU):
Zustimmungserklärung zu einer „Entschließung zu den Urteilen des russischen Militärgerichts in Berlin und zur Lage in der Ostzone“
(6´05)