Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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HEINRICH RÖNNEBURG (CDU)
im Parlamentarischen Rat
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Heinrich Rönneburg
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Im Sommer 1948 wird Heinrich Rönneburg vom Niedersächsischen Landtag in den Parlamentarischen Rat gewählt. Er ist Mitglied im Hauptausschuss und im Ältestenrat. Die CDU/CSU-Fraktion wählt ihn als Vertreter des Nordens und des protestantischen Flügels zum Dritten Fraktionsvorsitzenden. Zusätzlich übernimmt er das Amt des Fraktionsgeschäftsführers. Eine schwere Erkrankung hindert ihn, seine Aufgaben im Rat voll wahrzunehmen. Mitte November 1948 wird er im Hauptausschuss durch Hermann von Mangoldt (CDU) ersetzt. Im Februar 1949 legt er endgültig sein Mandat nieder. Sein Nachfolger wird der Braunschweiger Jurist und Justizminister von Niedersachsen Werner Hofmeister (CDU).

Geboren am 8. Januar 1887 in Braunschweig, gestorben am 1. September 1949 in Wolfenbüttel, evangelisch-lutherisch.

1907 legt Heinrich Rönneburg die Erste Lehrerprüfung ab. 1907/08 als Einjährig-Freiwilliger in einem Braunschweiger Infanterieregiment. 1908 Eintritt in den Schuldienst der Stadt Braunschweig. 1910 Hauptprüfung für das Lehramt. Im Ersten Weltkrieg wird er wenige Tage nach Kriegsbeginn schwer verwundet. Rückkehr in den Schuldienst. Bereits als Junglehrer im beruflichen Verbandswesen tätig. Wird vor 1914 Vorstandsmitglied im Braunschweiger Lehrerbund. 1916 Gründungsmitglied und Vorsitzender des Braunschweiger Beamtenbunds. November 1918 Referent der Schulabteilung des Rats der Volksbeauftragten von Braunschweig, im Sommer 1919 wenige Monate Volksbeauftragter für Volksbildung. Die Gegnerschaft zum Rätesystem veranlasst Rönneburg, sich verstärkt der Parteipolitik zuzuwenden. Maßgebliche Beteiligung an der Gründung des Landesverbands der Deutschen Demokratischen Partei (DDP). 1918 – 1924 Mitglied im Rat der Stadt Braunschweig und 1927 – 1928 der Braunschweiger Landesversammlung bzw. des Landtags, dort Vorsitzender der DDP-Fraktion. 1919 – 1920 Kultusminister des Landes Braunschweig, 1922 – 1924 Landesminister für Inneres, Ernährung und Wirtschaft. 1924 – 1930 Mitglied des Deutschen Reichstags, 1925 – 1928 Geschäftsführer der DDP-Reichstagsfraktion. Seit 1927 auf Reichsebene im Vorstand der DDP. 1928 – 1932 Landrat im Kreis Franzburg (Pommern). In der Endphase der Weimarer Republik verlagert sich sein politisches Interesse zunehmend von der Bildungs- und Kulturpolitik auf Fragen des Siedlungswesens sowie der wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft: Ab Sommer 1929 Staatskommissar für Ostpreußenhilfe, ab Herbst 1930 Stellvertretender Reichskommissar für Osthilfe. Ende 1932 in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Frühjahr 1933 endgültige Entlassung aus dem preußischen Staatsdienst. Lebt bis 1945 in Klein Machnow bei Berlin. 1933 – 1938 freiberuflich Vermittler und Organisator deutsch-amerikanischer Kultur- und Wirtschaftskontakte. Seit 1938 Anstellung bei der Durchführungsstelle für die Neugestaltung der Reichshauptstadt, ab Sommer 1939 als Abteilungsleiter. Nach dem Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 von Herbst 1944 – März 1945 inhaftiert.

Seit 1945 Landrat des Kreises Wolfenbüttel, ab März 1946 Oberkreisdirektor. Sommer 1947 Ruhestand. Führend an der Gründung der CDU in Braunschweig, Hannover und Goslar beteiligt.

Nachlass: Niedersächsisches Staatsarchiv, Wolfenbüttel.