Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
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ALBERT ROßHAUPTER (SPD)
im Parlamentarischen Rat
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Albert Roßhaupter
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Albert Roßhaupter wird vom Bayerischen Landtag Mitte Oktober 1948 als Nachrücker für den schwer erkrankten Josef Seifried (SPD) in den Parlamentarischen Rat entsandt. Er wird für keinen Ausschuss nachnominiert. Roßhaupters Berufung dürfte in erster Linie als eine Geste der Anerkennung gegenüber einem angesehenen Sozialdemokraten zu bewerten sein.

Geboren am 8. April 1878 in Pillnach, gestorben am 14. Dezember 1949 in Nannhofen, römisch-katholisch.

Albert Roßhaupter wächst in Pillnach und München als Sohn eines Korbmachers und Tagelöhners auf. Nach Volksschule und Abschluss einer Lackiererlehre mit anschließender Wanderschaft erhält er 1899 eine dauerhafte Beschäftigung in den Königlichen Eisenbahnwerkstätten in München. Um 1897 Eintritt in die SPD und in den Süddeutschen Eisenbahner- und Postpersonalverband, 1900 – 1908 nebenamtlicher Bezirksleiter im Verband. 1905 Gründer des Bayerischen Landesverbands der Naturfreunde. 1907 – 1933 SPD-Abgeordneter im Bayerischen Landtag. 1908 hauptamtlicher Geschäftsführer des Süddeutschen Eisenbahner- und Postpersonalverbands. Seit 1909 Journalist bei verschiedenen gewerkschaftlich und sozialdemokratisch orientierten Presseorganen, u.a. in Nürnberg und Augsburg. Als Abgeordneter widmet sich Roßhaupter besonders sozialen Fragen der beim Staat beschäftigten Arbeiter. Angesichts seiner fachlichen und rhetorischen Begabung zählt er bald zu den wichtigsten Persönlichkeiten der bayerischen Sozialdemokratie. Ab 1915 Freiwilliger im Kriegseinsatz in Nordfrankreich. November 1918 Mitglied des provisorischen Nationalrats von Bayern. Im Revolutionskabinett Kurt Eisners (USPD) als Vertreter der Mehrheitssozialdemokraten für rund vier Monate Leiter des Ministeriums für Militärische Angelegenheiten. Er tritt für die Ersetzung des traditionellen Heers durch eine Volksmiliz ein. Nach Aufgabe des Ministeramts weitgehende Konzentration auf die journalistische Tätigkeit und die Aufgaben als Abgeordneter.

Nach der nationalsozialistischen „Machtergreifung“ für wenige Wochen Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und des Landesausschusses seiner Partei. Roßhaupter hält am 29. April 1933 die bis 1945 letzte Rede eines Sozialdemokraten im Bayerischen Landtag. Danach mehrmalige Verhaftung und zeitweise Internierung im Konzentrationslager Dachau (September 1933 – März 1934, Juli – Dezember 1944). Lebt in den Jahren der NS-Herrschaft zurückgezogen in Olching.

1945 – 1947 Arbeitsminister in Bayern. Roßhaupter wird unter Wilhelm Hoegner Stellvertretender Ministerpräsident. Neben der Sozialpolitik widmet er sich vor allem Fragen der bayerischen Verfassung. In dem Anfang Februar 1946 einberufenen Vorbereitenden Verfassungsausschuss für eine Bayerische Verfassung übernimmt er den stellvertretenden Vorsitz und in der im Sommer 1946 gewählten Verfassunggebenden Landesversammlung den Vorsitz der 51-köpfigen SPD-Fraktion. Im Unterschied zur SPD-Parteizentrale in Hannover vertritt er ein betont föderalistisches Grundkonzept. Weicht durch sein Eintreten für die Konfessionsschule von der allgemeinen Parteilinie ab.

Nachlass: Nicht bekannt.