Im August 1948 wählen die elf westdeutschen Landtage die 65 Abgeordneten des Parlamentarischen Rats. Bereits zu Beginn der Beratungen kommen fünf Vertreter Berlins hinzu. Sie nehmen wegen des besonderen Rechtsstatus von Berlin nur mit beratender Stimme teil. Im Verlauf der Beratungen des Parlamentarischen Rats scheiden sieben Abgeordnete vorzeitig aus und werden durch Nachrücker ersetzt.

Erna Wagner-Hehmke porträtiert einen Teil der Abgeordneten. Von anderen macht sie Fotografien in Sitzungen und Arbeitsräumen.
zurück zur Übersicht
HERMANN RUNGE (SPD)
im Parlamentarischen Rat
Biografie
Hermann Runge
Weitere Informationen

Biografie
Haus der Geschichte
Liste der Mitglieder
Literatur
Objekte
Der Nordrhein-Westfälische Landtag wählt Hermann Runge im Sommer 1948 in den Parlamentarischen Rat. Er gehört dem Ausschuss für Organisation des Bundes sowie Verfassungsgerichtshof und Rechtspflege an und ist nach der Teilung der Ausschüsse im Ausschuss für Organisation des Bundes Schriftführer. Hermann Runge hält sich bei den Beratungen sehr im Hintergrund. Er gilt als ein Vertreter des Niederrheins und steht im Parlamentarischen Rat für die Verfolgten desNS-Regimes.

Geboren am 28. Oktober 1902 in Konradsthal, Kreis Waldenburg in Niederschlesien, gestorben am 3. Mai 1975 in Düsseldorf.

Der 1909 tödlich verunglückte Vater ist Bergmann. Die resolute, klassenbewusste Mutter Hermann Runges zieht 1913 mit ihren Kindern nach Moers. 1917 – 1920 Schlosserlehre, 1920 – 1931 auf einer Schachtanlage tätig. Ab 1919 Mitglied des Metallarbeiter-Verbands und der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ), 1920 Eintritt in die SPD. 1922 – 1932 Kreisvorsitzender der SAJ. In der Endphase der Weimarer Republik überdies Kreisvorsitzender des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und der Eisernen Front.

Nach dem 31. Januar 1933 einer der Hauptorganisatoren des sozialdemokratischen Widerstands am Niederrhein. Mai 1935 Verhaftung und Verurteilung zu neun Jahren Zuchthaus.

Nach Kriegsende einer der Hauptinitiatoren beim Wiederaufbau der SPD an Rhein und Ruhr. 1946 – 1966 Bezirkssekretär im SPD-Bezirk Niederrhein. 1946 – 1948 Kreistagsabgeordneter, 1945 – 1946 Mitglied des Beratenden Provinzialrats der Nordrhein-Provinz, mehrmals Abgeordneter im Nordrhein-Westfälischen Landtag (1946 – 1947, 1958 – 1962 und 1965 – 1966). 1949 – 1957 Mitglied des Deutschen Bundestags. Zu seinen politischen Schwerpunkten zählen die Wiedergutmachung und Fragen der Sozialpolitik für vom Krieg Betroffene.

Nachlass: Nachlasssplitter, bezogen auf seine Tätigkeit als Geschäftsführer des SPD-Bezirks Niederrhein und seine Prozessunterlagen, im Archiv der sozialen Demokratie, Bonn; einige Personalvorgänge im Bestand der Gestapo(leit)stelle Düsseldorf, Nordrhein-Westfälisches Hauptstaatsarchiv, Düsseldorf.